Ein Trio von der Alb

Mit Valentin Mosdzien, Mika Gmelich und Johannes Roscic verpflichtet die SG H2Ku Herrenberg drei vielversprechende Talente vom HBW Balingen/Weilstetten II

Sie haben es schon wieder getan: Nachdem die SG H2Ku im Vorjahr mit Urs Bonhage, Sven Rinderknecht und Frederik Todt gleich drei Spieler auf einen Schlag von der HSG Böblingen/Sindelfingen verpflichtete, wiederholt sich dieses Szenario nun mit drei Akteuren aus der Balinger Handball-Nachwuchsschmiede.

Die Aussicht auf Langeweile bestand bei Torhüter Mika Gmelich und Linkshänder Johannes Roscic vom HBW Balingen/Weilstetten II zuletzt wohl kaum. Beide Youngsters befanden sich bis zum vergangenen Wochenende in der sportlichen Doppelbelastung mit dem Ligapokal der Drittligisten und der deutschen Meisterschaft der A-Jugend. Ligapokal heißt in diesem Falle, dass sich 22 Teams um sechs Startplätze für die kommende Hauptrunde im DHB-Pokal messen. Da die Balinger Erstligareserve aber im DHB-Pokal gar nicht startberechtigt ist, dienen die angesetzten sechs Spiele mehr der Spielpraxis als dem Sammeln von sportlichen Meriten. Anders sah es in der Meisterschaft der A-Jugend aus. Hier hatte es die JSG Balingen/Weilstetten immerhin bis ins Viertelfinale gegen die Altersgenossen der MT Melsungen geschafft. Nach dem 33:33 im Hinspiel unterlagen die Nachwuchs-„Gallier“ im Rückspiel am vergangenen Sonntag im Nordhessischen trotz sechs Treffer von Johannes Roscic mit 31:34.

Beiden Wettbewerben war zwar wie allerorten eine monatelange Pause vorausgegangen, seit einigen Wochen jedoch gab es für Roscic und Gmelich diese Zweifachauftritte, die am Samstag mit einem Auswärtssieg der Balinger bei der TGS Pforzheim beendet wurden. Hier war dann auch Valentin Mosdzien mit von der Partie. Mosdzien ist mit seinen inzwischen 20 Jahren ein Jahr zu alt für die A-Jugend und kann seine Konzentration seit einem Jahr voll auf das Drittligateam richten.

Valentin Mosdzien / Fotos: P. Gebhardt

Diese Konzentration allein reichte aber scheinbar nicht, dem gebürtigen Holzbronner einen Stammplatz beim HBW II anzubieten. Mehr noch, für Valentin Mosdzien blieb zuletzt nur noch der Platz auf der linken Außenbahn. „Linksaußen ist nicht das, was ich spielen möchte“, so Mosdzien. Wahrscheinlich ist das Talent des 20-jährigen dort auch verschwendet. Seine Stärken liegen eindeutig auf der Spielmacherposition. Und genau das will der Rechtshänder nun in Herrenberg beweisen – wieder. Denn seine Fähigkeiten sind schon länger bei der SG H2Ku bekannt. In der B-Jugend wechselte Mosdzien von der SG Hirsau/Calw/Liebenzell an den Fuß der Stiftskirche, um ein Jahr später den Weg zur JSG Balingen/Weilstetten zu gehen. Sein damaliger Trainer bei H2Ku war übrigens ein gewissere Fabian Gerstlauer. Dieser trainiert inzwischen das Herrenberger Oberligateam. Und als Valentin Mosdziens Wechselgedanken publik wurden, war das für die Verantwortlichen um Gerstlauer und dem sportlichen Leiter Hansi Böhm natürlich eine Steilvorlage. Denn just zu dieser Zeit machte der bisherige Torjäger und Toptorschütze Sandro Münch seinen Wechsel zum TV Plochingen perfekt.

Angst, dass sich die Fußstapfen Münchs als zu groß erweisen, hat Valentin Mosdzien aber nicht: „Ich möchte meine eigenen Spuren in Herrenberg hinterlassen“, so der Youngster selbstbewusst. Worauf sich die Herrenberger freuen können, hat Mosdzien zuletzt im Ligapokal gegen den HC Erlangen II andeuten dürfen, als er die eher seltene Einsatzchance als Spielmacher mit einer erstaunlich abgeklärten Leistung und fünf Toren prompt eindrucksvoll nutzen konnte.

Mika Gmelich

Ihre Chance in Herrenberg wollen derweil auch noch zwei andere Talente nutzen. Mika Gmelich und Johannes Roscic haben ihr Können zuletzt in der A-Jugend-Bundesliga mehr als nur angedeutet. Beide zählten dort zu den absoluten Leistungsträgern und waren bereits seit Beginn der abgebrochenen Saison 2020/21 fester Bestandteil im Drittligakader vom HBW Balingen/Weilstetten. Doch hier hielten sich die Einsatzzeiten wie auch bei Valentin Mosdzien in Grenzen. „Mit Luca Munzinger spielt ein gestandener Drittligaspieler im rechten Rückraum auf meiner Position“, erklärt der 19-jährige Roscic. „Ich möchte aber unbedingt Spielpraxis sammeln“. Diese hat der für einen Rückraumspieler eher klein gewachsene Roscic bisher bei seinen Nachwuchsstationen in Frittlingen/Neufra, in Spaichingen und eben nun in Balingen bisher immer reichlich bekommen. In der raueren Aktivenluft versucht es Johannes Roscic jetzt erst einmal eine Klasse tiefer. Dies aber auch mit viel Respekt. „Ich habe noch nie Oberliga gespielt, da werde ich mich erst hineinfinden müssen“, bleibt der Halbrechte realistisch. Auch eingedenk der Tatsache, dass mit Urs Bonhage ein starker Konkurrent um Spielzeiten auf seiner Position agiert.

Ebenso wie von Valentin Mosdzien ist Coach Fabian Gerstlauer aber auch von Johannes Roscic überzeugt. Für Roscic selbst steht nun nach dem letzten Spiel vom Samstag eine neue Herausforderung an. Nach Beendigung der Abiturprüfungen wird der Blondschopf im Herbst ein Studium der Wirtschaftswissenschaften aufnehmen und mit Valentin Mosdzien, der Sportwissenschaften studieren wird, eine gemeinsame WG in Tübingen beziehen.

Johannes Roscic

Dem guten Verhältnis der beiden untereinander ist der Wechsel von Roscic zur SG H2Ku übrigens auch mit zu verdanken, gab Mosdzien doch eine klare Empfehlung für den neuen Halbrechten ab.

Die Geschichte von Mika Gmelich, der den Weg über die Nachwuchsabteilungen der SG Lauterstein und von Frisch Auf Göppingen nach Balingen nahm, gleicht der von Valentin Mosdzien und Johannes Roscic gleich in mehreren Punkten. Der Torhüter rückte ebenso wie Johannes Roscic schon im A-Jugend-Alter in Balingens Drittligateam auf. Doch auch für den 20-jährigen war der Weg zum Stammspieler verbaut. Nachdem durch Verletzungen mehrerer Torhüter anfangs der Saison Mika Gmelich plötzlich als einziger Keeper übrig blieb, verplichtete man auf der Alb mit Filip Baranasic einen kroatischen Akteur nach. Nun sind die Verletzungen auskuriert, die Torhüter alle fit. Schlecht für Gmelich – gut für die Herrenberger, die ohnehin nach einem zusätzlichen Torwart Ausschau hielten. Dieser sollte eigentlich als erfahrener Führungsspieler für die jungen H2Ku-Keeper verpflichtet werden, aber: „Wir sind natürlich froh, mit Mika eine sehr talentierten Torwart bekommen zu haben“, betont Tobias Barthold. Der sportliche Leiter neben Hansi Böhm muss es wissen, schließlich stand Barthold viele Jahre im Zweit- und Drittligateam der SG H2Ku selbst zwischen den Pfosten. Gmelich, der zuletzt ein freiwilliges soziales Jahr beim HBW absolviert hat, sucht nun erst einmal ein Praktikum im Bereich Medien und Film. Und auch wenn dies noch nicht auf dem Plan steht, am Drehbuch für einen erfolgreichen Streifen über die SG H2Ku Herrenberg wollen alle drei Talente unbedingt mitschreiben.