In hitziger Atmosphäre kühlen Kopf bewahrt

SG H2Ku siegt nach einer starken Leistung beim TuS Steißlingen verdient mit 31:28

Am zweiten Spieltag der Oberliga Baden-Württemberg gelang der SG H2Ku Herrenberg mit dem 31:28 (17:14) beim TuS Steißlingen der erste Saisonsieg. Vor allem in der zweiten Hälfte legte das Gäu-Team jene Coolness an den Tag, die sie noch vor Wochenfrist bei der Heimniederlage gegen den HC Neuenbürg so schmerzlich vermissen ließ. Der Rückraum der Gäste ragte beim Duell gegen den Aufsteiger noch einmal heraus.

Eintrittskarten sind in der heutigen Zeit der Zuschauerbeschränkungen ein rares Gut. Etwa zehn Anhänger der SG H2Ku hatten sich trotzdem um den Zutritt zur Sporthalle Mindlestal bemüht. Erfolgreich. Ebenso erfolgreich verließen nach der Partie die Spieler des Herrenberger Oberligisten die Heimstätte des TuS Steißlingen. Zuvor war es aber ein hartes Stück Arbeit gewesen, die zwei eminent wichtigen Punkte unter Dach und Fach zu bringen.

„Jeder wusste im Vorfeld, um was es geht“. Fabian Gerstlauers Worte zielten dabei auf die bittere Heimniederlage zum Auftakt gegen den HC Neuenbürg ab. Trainer und Mannschaft wollten mit aller Macht verhindern, mit zwei Niederlagen in die noch junge Spielzeit zu starten. Eine gute Nachricht gab es indes schon vor der Partie: Mit Urs Bonhage kehrte ein wichtiger Spieler nach seiner Erkältung ins Team zurück. Wie wichtig dies sein sollte, stellte sich später im Spiel eindrucksvoll heraus.

Urs Bonhage war gestern nicht zu stoppen / Foto: P. Gebhardt

Hochkonzentriert startete der Gast aus Herrenberg in die Partie. Die Abwehr erwies sich als das erhoffte Bollwerk, Nicolas Rhotert im Tor entschärfte gleich mehrere Würfe. Und vorne? Es glich, so kann man es schon vorwegnehmen, einer Explosion, was der Rückraum um Sandro Münch, Urs Bonhage und Frederik Todt über sechzig Minuten auf das Parkett der Steißlinger Sporthalle brachte. Mit Bonhage allein war die Steißlinger Abwehr schon komplett überfordert. Der Linkshänder ging immer wieder wie ein heißes Messer durch die Butter. Tor oder Strafwurf war fast jedes Mal die Konsequenz. Selbst zur Überraschung seines Trainers hielt der Halbrechte nach seiner Krankheit unter der Woche fast das komplette Spiel durch. Auf der Mitte brachte der quirlige Todt seine Vorzüge voll zum Tragen. Er und Sandro Münch waren für die Spielgestaltung zuständig und taten dies optimal. Münch selbst war einmal mehr torgefährlich aus jeder Lage. Aber nicht nur das: „Vor allem die Spielsteuerung von Sandro hat mir heute sehr gut gefallen“, so ein zufriedener Fabian Gerstlauer. Am Ende des Tages kam das Trio auf insgesamt zwanzig Treffer.

Als zwanzig Minuten gespielt waren, schien mit dem 13:7 schon eine Vorentscheidung gefallen. Der Aufsteiger hingegen, immerhin mit der Empfehlung von 21 Spielen ohne Punktspielniederlage angetreten, raffte sich vor der Pause noch einmal auf. Über ein 11:14 verkürzte Steißlingen bis eine Minute vor der Pause auf 14:16. Ein Tor von – natürlich – Urs Bonhage beruhigte die mitgereisten Fans dann wieder etwas. „Mir war klar, dass wir in solche Phasen kommen werden. Bange vor einem Rückfall war mir trotzdem nicht“, so Fabian Gerstlauer nach dem Spielende. Und das, obwohl wieder ein Abwehrspieler für den Innenblock vorzeitig ausfiel. Diesmal traf es aber Finn Böhm mit einer roten Karte fünf Minuten vor der Pause.

Die zweite Halbzeit sollte der SG H2Ku noch einmal alles abverlangen, körperlich und mental. Zunächst einmal mussten sich die Angreifer der Gäste mit einem alten Bekannten auseinandersetzen. Denn Torhüter Marvin Heinz kam nun für Steißlingen ins Spiel und brachte seine ehemaligen Mitspieler ins Schwitzen. Mehrere Paraden und zwei vereitelte Strafwürfe ließen die Hoffnung noch einmal beim TuS aufkeimen. Da der Aufsteiger allerdings selbst immer wieder über eigene Fehler stolperte, gelang die Wende nicht. Doch es gab auch noch einen anderen Grund. „Wir haben immer wieder die richtigen Lösungen gefunden“, konnte Coach Gerstlauer mit Genugtuung feststellen. Vor allem die nun etwas härtere Gangart der Gastgeber, die in einer jetzt hitzigen Partie unter anderem mit verschiedenen Deckungsvarianten ihre letzte Chance suchten, konterte H2Ku mit überlegten Aktionen.

Volle Unterstützung über sechzig Minuten für unser Team / Foto: P. Gebhardt

Spätestens beim 29:23 sieben Minuten vor dem Ende war die Partie entschieden, der Rest bis zum 31:28 war lediglich Ergebniskosmetik. Fabian Gerstlauer lobte später vor allem die Konstanz der Abwehr über die komplette Spielzeit. Und natürlich freute er sich auch über die gesamte Mannschaftsleistung – trotz der Explosion im Rückraum. Mit der TSG Söflingen wartet am Samstag nun ein ganz dicker Brocken auf die SG H2Ku.