Nach Traumstart folgt die Schockstarre

SG H2Ku unterliegt zum Saisonauftakt trotz hoher Führung am Ende dem HC Neuenbürg 2000

Mit einer vermeidbaren Niederlage starteten die Oberligamänner der SG H2Ku Herrenberg am Samstag in die neue Runde. Das 26:27 (15:7) gegen den HC Neuenbürg war umso bitterer, da das Team von Trainer Fabian Gerstlauer zwischenzeitlich mit neun Toren Vorsprung führte.

„Der Tag endet so, wie er begonnen hatte“, stellte Fabian Gerstlauer nach dem Spiel frustriert fest. Am Morgen des Spieltages noch hatte der Coach den Anruf von Urs Bonhage erhalten. Der Linkshänder meldete sich zum Auftaktspiel aufgrund einer Erkältung ab. Ein Schlag ins Kontor also schon vor dem Anpfiff, da durch die Verletzungen von Christian Rau, Janne Böhm und eben dem Ausfall von Bonhage mit Max Bröhl nur noch ein Akteur aus den etatmäßigen Halbpositionen im Rückraum zur Verfügung stand. Dass Bröhl den Schlusspfiff dann auch nicht mehr erleben sollte, war einer der Puzzlesteine, die letztlich zu einer mehr als unnötigen Niederlage führen sollte.

Enttäuschung nach Spielschluss bei Frederik Todt (li.) und Marvin Seeger

Doch zunächst rieben sich nicht wenige der 180 Zuschauer in der damit ausverkauften Markweghalle die Augen. Vom Anpfiff weg filetierten die Hausherren förmlich ihren Gegner aus dem badischen Randgebiet. Insbesondere im Rückraum lief der Ball in der Startviertelstunde unter der Führung eines glänzend aufgelegten Sandro Münch flüssig ohne jeden technischen Fehler. Der Zwischenstand von 7:1 war dabei nicht einmal zu hoch ausgefallen. Denn auch die Abwehr rührte zeitweise Beton an. So sehr sich der HC Neuenbürg um seinen Spielmacher Felix Kracht auch mühte, konstruktives brachte das Team erst einmal nicht auf die Platte.

Die folgende Auszeit von Gästecoach Erkan Öz zeigte zunächst wenig Wirkung. Zumindest konnte der SG- Express ein wenig gebremst werden. An den Kräfteverhältnissen änderte sich dadurch aber nichts. Als Yannik Schopp sieben Minuten vor der Pause für zwei Minuten auf die Bank musste und die SG H2Ku diese Unterzahlsituation trotzdem gewinnen konnte, war der HC Neuenbürg mit dem 12:5 kurz vor dem sportlichen Abgrund. Dies galt erst recht, als der überzeugende Marvin Seeger zum umjubelten 15:6 einnetzte. Den Gästen gelang nun gar nichts mehr, die Verunsicherung stand über allem. Das 15:7 zur Pause war dann schon eine vermeintliche Vorentscheidung.

Bester Torschütze mit neun Treffern – Sandro Münch

Gemeinhin sind Halbzeitpausen solcher Partien immer die Gelegenheit für jeden Trainer, an die Ehre seiner Spieler zu appellieren, das Spiel zumindest anständig zu beenden. Erkan Öz auf Neuenbürger Seite schien jedoch im Hinterkopf noch das Duell aus dem Vorjahr zu haben. Seinerzeit führte H2Ku mit sechs Toren und gab das Spiel in den letzten fünf Minuten mit einer Niederlage noch aus der Hand. Warum also diesmal nicht auch? Und so rappelte sich der starke Vorjahresaufsteiger noch einmal auf, um das scheinbar unmögliche zu schaffen. Bis zum 21:13 konnte der Gastgeber seinen Vorsprung halten, danach jedoch brach es über die SG H2Ku Herrenberg herein. Nach zwei Gegentoren zum 21:15 leistete sich Max Bröhl beim gegnerischen Konter ein folgenschweres wie unnötiges Foul und sah folgerichtig den roten Karton. „Uns war nun jegliche Alternative im Rückraum weggebrochen“, konstatierte Fabian Gerstlauer. Der Trainer schickte Neuzugang Frederik Todt auf die Spielmacherposition und beorderte Sandro Münch in den linken Rückraum. Und auch wenn Joshua Stöffler als Ersatz auf Halbrechts eine couragierte Leistung zeigte, brauchte auch er zunehmend Entlastungspausen. Die ständigen Rochaden verpufften aber nun fast vollkommen. Der HC Neuenbürg witterte Morgenluft und war beim 21:17 erstmals wieder in Sichtweite zum Gegner.

Auch dies trug natürlich nicht gerade zur Beruhigung im Spiel der Hausherren bei. Als nach dem 23:20 in der 50. Minute vier Minuten lang kein eigener Treffer gelang und der HCN ausgleichen konnte, deutete sich tatsächlich das gleiche Drama wie vor Jahresfrist an. Und so war fast schon logischerweise die erste Gästeführung kurz vor Schluss fällig, diesmal allerdings erst 15 Sekunden später als im Vorjahr. Das Spiel hätte jedoch auch noch gut und gerne für die SG H2Ku ausgehen können. Beim vermeintlich letzten Wurf der Gäste nahm Yannik Schopp den Abpraller nach Ansicht der Schiedsrichter im eigenen Kreis auf. Den Ballbesitz nutzte der HC Neuenbürg schließlich zum glücklichen 27:26 in der letzten Sekunde.

„Nun stehen wir unnötigerweise gleich vor dem ersten Auswärtsspiel in Steißlingen unter Druck. Dort sollten wir dann unbedingt punkten“, blickte nach Spielschluss Fabian Gerstlauer schon einmal in Richtung des kommenden Wochenendes.