„Gut, dass es endlich los geht“

Die SG H2Ku Herrenberg startet am Samstag (20 Uhr) gegen den HC Neuenbürg 2000 in eine lange Oberligasaison

Mehr als ein halbes Jahr lang mussten sich die Fans der SG H2Ku Herrenberg gedulden. Am Samstag nun öffnen sich die Türen der Markweghalle für das Punktspiel der Oberliga Baden-Württemberg gegen den HC Neuenbürg. Doch nicht alle interessierten Handballfreunde werden Einlass finden.

Das Hygienekonzept des Vereins greift – das kann man schon vor dem ersten Anpfiff sagen. Da die Bundesligafrauen der SG H2Ku schon zwei Heimspiele ausgetragen haben, gibt es genügend Erfahrungswerte, von denen jetzt auch die Veranstaltung der Männer-Oberliga profitiert. Auch wird man davon ausgehen können, dass die Markweghalle am Samstag ausverkauft sein wird. Das bedeutet in diesem Falle aber coronabedingt nur etwas weniger als 200 Zuschauer. Im Lager der Herrenberger freut man sich aber trotzdem auch über solche Zahlen. Immerhin schafft dies noch eine ordentliche Heimspielatmosphäre.

Coach Fabian Gerstlauer

Sportlich stehen die Spieler des Gäu-Clubs schon längst in den Startlöchern. „Gut, dass es endlich losgeht“, bringt es Fabian Gerstlauer auf den Punkt. Der Trainer hatte die schwierige Aufgabe, sein Team in der langen Vorbereitungsphase bei Laune zu halten und nebenbei auf den Punkt topfit ins Rennen zu schicken. Und der Auftakt der neuen Saison hat es in sich. Mit dem HC Neuenbürg hat die SG H2Ku laut Gerstlauer gleich ein „dickes Brett vor der Brust“. „Besonders die erste Sieben ist qualitativ schon beeindruckend. Der Rückraum um Marco Langjahr und Philipp Karasinski oder die Abwehrqualität eines Marius Angrick sind oberes Level in der Liga“, weiß der Coach um die Schwere der Aufgabe. Und dann haben die Gäste mit Mile Matijevic noch einen ganz dicken Fisch an Land gezogen. Der Torwart wechselte vom Drittligaaufsteiger SG Pforzheim/Eutingen nach Neuenbürg.

Gerade diese Position zwischen den Pfosten hatte zuletzt bei den Herrenbergern für etwas Kopfzerbrechen gesorgt. Nach dem studienbedingten Weggang von Marvin Heinz, der sich inzwischen dem TuS Steißlingen angeschlossen hat, war die Nummer eins intern neu ausgeschrieben. Durchgesetzt hat sich mit dem erst 21- jährigen Nicolas Rhotert die bisherige Nummer zwei. Dahinter streiten sich mit Georg Mohr und Sven Rinderknecht zwei Akteure um den Platz hinter Rhotert. Hier hat mit Rinderknecht der Neuzugang von der HSG Böblingen/Sindelfingen derzeit die Nase vorn.

Der Torhüter ist übrigens nur einer von drei Akteuren, die den Weg vom Württembergligisten nach Herrenberg fanden. Mit Urs Bonhage und Frederik Todt mussten die „BöSis“ zwei weitere Leistungsträger in Richtung Gäu ziehen lassen. Fabian Gerstlauer sieht es naturgemäß mit Freude. „Urs schließt im halbrechten Rückraum eine Lücke, die uns in der letzten Saison oft zum Improvisieren zwang“. Bonhage selbst ist in Herrenberg kein Unbekannter – zwei Drittligajahre von 2014 bis 2016 kann der Linkshänder bei der SG H2Ku vorweisen. Für Frederik Todt ist selbst die Oberliga noch Neuland. Trotzdem hat der Spielmacher in der Vorbereitung bewiesen, sich zu einer echten Alternative zu Sandro Münch zu entwickeln. Ein großes Plus könnte für die Herrenberger werden, dass auf allen doppelt besetzten Rückraumpositionen jeweils auch zwei unterschiedliche Spielertypen zur Verfügung stehen. „Ich habe nun auch mehr taktische Möglichkeiten, um auf das Spielgeschehen einwirken zu können“, so Fabian Gerstlauer.

Neuzugang Urs Bonhage

Das heißt allerdings nicht, dass sich Grundlegendes im Spiel des Oberligisten ändert. An der offensiv ausgerichteten 6:0- Abwehrvariante wird nicht gerüttelt. Als Alternative wird der Trainer wie bisher auf ein 5:1 umstellen. Mit Urs Bonhage und dem jungen Leander Lämmle gibt es zudem in der Defensive zwei neue Optionen für den Innenblock.

Im Offensivbereich soll durch die geänderte personelle Struktur auch an ein paar Stellschrauben gedreht werden. Allerdings wird der Trainer insgesamt noch einige Wochen warten müssen, bis die Räder optimal ineinander greifen. Zum Saisonstart muss Fabian Gerstlauer noch auf drei wichtige Spieler verzichten. Christian Rau, der noch einmal ein Comeback wagt, hat sich vor etwa zwei Wochen einen Achillessehnenanriss zugezogen. Dafür wird Joshua Stöffler gemeinsam mit Urs Bonhage den rechten Rückraum besetzen. Für den langzeitverletzten Kapitän Sascha Marquardt zeichnet sich unterdessen ein Ende seiner Leidenszeit ab. Die Schulterverletzung ist so weit abgeklungen, dass der Kreisläufer wieder mit der Mannschaft trainieren kann. Janne Böhm wird nach seiner Knieoperation ebenso demnächst wieder auf das Parkett zurückkehren können.

Aufgrund dieser Unwägbarkeiten gleicht eine Saisonprognose auch eher einem Blick in die berühmte Glaskugel. Der Verein gibt daher auch in Anbetracht von achtzehn Teams bei fünf oder sechs Absteigern als oberstes Ziel den Klassenerhalt aus. Alles darüber wird als Zugabe aber gerne angenommen.