Den Handball auf eine höhere Stufe heben

SG H2Ku Herrenberg verspricht sich von der seit Januar tätigen Handballschule einen Leistungsschub im Nachwuchsbereich

Am 1. Januar diesen Jahres startete sie offiziell, bis Mitte März gab es nur positives zu berichten. Danach war aber auch die gerade erst angelaufene Handballschule der SG H2Ku Herrenberg für fast drei Monate zum Nichtstun verurteilt. Schuld daran war natürlich wie allerorten auch der Corona-Virus.

Lärmende Schulkinder, voller Leben pulsierende Hallen. Die Vorstellung der Gründer und Macher der Handballschule in Herrenberg hatten sicher ein anderes Szenario im Bild als das, was sich ihnen im Frühjahr im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie verhängten Sportverbot im Handball darbot. Inzwischen ist der sportliche Alltag auch in Herrenberg größtenteils zurückgekehrt. Im Juni konnte wieder im Freien trainiert werden, seit Juli sind bis auf wenige Ausnahmen auch alle Mannschaften wieder im Hallentraining. „So hatten wir aber zumindest genug Zeit, um schon relativ früh am Feinschliff zu arbeiten“, sieht es Luca Waidelich eher pragmatisch. Waidelich, einer der führenden Köpfe des neuen Nachwuchskonzeptes in der Gäu-Stadt und derzeit Spielertrainer der dritten Mannschaft, ist trotzdem bisher mehr als zufrieden mit dem bisher geleisteten.

Mehr als zufrieden mit dem bisher Geleisteten: Die Leiter der H2Ku-Handballschule Luca Waidelich (hinten Mitte) und Marcel Kohler (vorne links) leisten mit ihren mehr als 30 Jugendtrainern, darunter Peter Kiener, Maxi Schöllkopf, Tim Gauss und Martin Bayer (hinten v. li.) sowie Lea Lohrer und Michael Bauer (vorne v. li.) gute Arbeit

Um dies einordnen zu können, lohnt sich ein etwas tieferer Blick in die Materie. Der Name Handballschule ist zuallererst einmal keine Bezeichnung für eine physische Institution, wie etwa einem Internat. Vielmehr verbirgt sich dahinter das neue Nachwuchskonzept der Herrenberger Handball-Spielgemeinschaft. Im Jahr 2018, nachdem fast zeitgleich mit Luca Waidelich (TV Haslach), Ole Held (HSV Oberjesingen/Kuppingen und Christian Stahl (VfL Herrenberg) in allen drei Stammvereinen der SG H2Ku neue Jugendleiter ins Amt gehievt wurden, wuchs schnell eine Idee zur effizienteren Gestaltung der Jugendarbeit in der Spielgemeinschaft. Christian Stahl vom VfL Herrenberg legte dann auch im Frühjahr 2019 ein tragfähiges und von allen Seiten gebilligtes Konzept vor. Indes, vor allem bei der Suche nach einem geeigneten hauptamtlichen Leiter der Handballschule – bis heute dauert diese Suche an –  offenbarten sich noch einige Differenzen unter den Beteiligten, so dass die Konzeption im Sommer letzten Jahres erst einmal kurzerhand ruhte.

Allerdings dauerte es nicht allzu lange, bis neues Leben durch die alten Pläne strömte. Und so konnte im Spätherbst dann doch noch der Beginn für den Januar 2020 verkündet werden. Die Wertigkeit des Projektes zeigt sich allein schon darin, dass im Vorstand der SG H2Ku mit Jan Engau und Kai Wohlbold gleich zwei Mitglieder als Bindeglied zwischen Verein und Nachwuchsprojekt betraut wurden. Und dies nicht nur auf dem Papier, wie Vorstandssprecher Jan Rhotert betont: „Beide bringen unheimlich viel Herzblut in die Sache ein“, so Rhotert. Gleichwohl gilt dies auch für die kommissarischen Leiter Luca Waidelich und Marcel Kohler. Momentan scheint diese Konstellation noch eine gute Lösung zu sein. Für den 24- jährigen Waidelich hätte die Hauptamtlichkeit der momentan geteilten Stelle aber vor allem wegen der größeren Planungssicherheit für die Zukunft einen weitaus größeren Charme als die jetzige Konstellation. Zumal der organisatorische Aufwand für das nun seit sieben Monaten praktizierte Konzept enorm ist.

Denn: Das Ziel der Handballschule ist eindeutig – die Qualität des Nachwuchshandballs soll auf eine höhere Stufe gehoben werden. „Zu oft noch locken bei den Jungs Vereine wie die SG Pforzheim/Eutingen oder der HBW Balingen/Weilstetten unsere Talente mit der Aussicht auf Bundesligahandball“, sagt Jan Rhotert. Beim weiblichen Nachwuchs gilt vor allem der TuS Metzingen derzeit als gute Adresse in der Region.

Auf der anderen Seite stößt aber auch das überarbeitete Nachwuchskonzepts der Herrenberger nicht bei jedem auf Gegenliebe, wie ein Facebookeintrag eines Verein aus der Gegend belegt, nachdem dort ein Jugendlicher von der SG H2Ku angesprochen wurde. „Allerdings“, so betont Luca Waidelich nicht ganz ohne Stolz, „ist es inzwischen eher die Regel, dass die Jungs aus der Gegend bei uns anklopfen als umgekehrt“.

Wie soll aber nun der Qualitätssprung erreicht werden? „Vor allem mit einem hochwertigen Training“, fährt Waidelich, der im Verein fast alle Altersklassen schon einmal selbst trainiert hat, fort. „Das Ziel ist es, jedes leistungsorientierte Team von einem lizensierten Trainer zu betreuen. Zudem wollen wir noch mehr an Schulen und in Kindergärten gehen“. Gerade dafür wäre die Hauptamtlichkeit natürlich von Vorteil. Außerdem sollen Feriencamps angeboten werden. Zu guter Letzt geht es darum, durch qualifiziertes Fördertraining neben dem „normalen“ Betrieb die Nachwuchsspieler gezielt besser zu machen.

Damit aber auch nicht nur die Topspieler und -spielerinnen aus den ersten Mannschaften jeder Altersklasse bei der Stange bleiben, wird auch bei den jeweiligen zweiten Teams investiert. Hier vor allem in Zeit. Das heißt, dass die Kinder nicht mehr mangels Übungsleiter nach Hause geschickt werden müssen.

Viel Arbeit also für Luca Waidelich und Marcel Kohler. Die Doppelspitze teilt sich momentan den Aufgabenbereich des Handballschulleiters. Der Auszubildende zum Personaldienstleistungskaufmann Waidelich und der IT-Projektleiter Kohler, übrigens früher schon als Zweit-und Drittligaspieler bei der SG H2Ku aktiv, ernten schon jetzt viel Lob von vielen Seiten. Unterstützt werden sie neben den schon angesprochenen Kai Wohlbold und Jan Engau von Fabian Gerstlauer und Aylin Bok. Der Trainer des Oberligateams und die Spielerin der Zweitligafrauen sind für die sportliche Umsetzung der Vorgaben, zum Beispiel die Trainingsinhalte, zuständig.

Bliebe noch die Frage der Finanzierung des ganzen Konstruktes zu beantworten. Mehr Aufwand bedeutet auch immer mehr Finanzbedarf. Klar war von Beginn an, dass sich die Handballschule selbst tragen muss. Dafür ist neben den Mitgliedsbeiträgen ein Extra-Obulus zwischen fünf und zwanzig Euro monatlich vorgesehen. Viel Geld für so manche Eltern. Umso erfreuter waren die Verantwortlichen über die breite Zustimmung bereits im Vorfeld. Drei Monate Vorlauf an Elterngesprächen haben sich wohl mehr als gelohnt. Inzwischen seien über 95 Prozent aller Spieler bereits in der Handballschule organisiert. Wer selbst oder wessen Eltern sich dem Modell nicht anschließen möchten, hat allerdings auch keine Möglichkeit mehr, im Nachwuchsbereich der SG H2Ku Herrenberg Handball zu spielen. Wobei es eine kleine Einschränkung gibt: „Für sozial schwache Familien suchen wir natürlich nach einer verträglichen Lösung“, betont Luca Waidelich. Durch die quasi Eigenfinanzierung, durch die Spieler und Spielerinnen in Vorleistung gehen, hat sich die SG H2Ku aber auch insgesamt zur Gegenleistung verpflichtet. „Auch wenn wir dadurch vor einer großen Herausforderung stehen, freuen wir uns alle auf eine hoffentlich erfolgreiche Zukunft durch das Projekt Handballschule.“, blickt Jan Rhotert optimistisch in die Zukunft.

Für Handballschule und Vorstand wäre es erklärtermaßen irgendwann einmal das Größte, wenn in den Männer- und Frauenmannschaften der SG H2Ku Herrenberg hinter den Spielernamen unter der Rubrik „frühere Vereine“ stehen würde: eigener Nachwuchs. Bisher ist dies bei der Hälfte der Oberligamannschaft der Fall. Bei den Bundesligafrauen haben aktuell drei Spielerinnen die interne Nachwuchsabteilung durchlaufen. Steigerung jederzeit willkommen.